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Fabelhafter letzter Teil der Reihe: "Before Midnight"

Filmtipp: Fabelhafter letzter Teil der Reihe: "Before Midnight" Filmtipp: Fabelhafter letzter Teil der Reihe: "Before Midnight" Foto: 2013 PROKINO Filmverleih GmbH
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Zum Wochenende möchten wir euch einen echten Kinotipp ans Herz legen: Wenn ihr "Before Sunrise" (Teil 1) und "Before Sunset" (Teil 2) gesehen habt und beide echt "doof und nervig" fandet, ja, dann solltet ihr trotzdem in den dritten Teil "Before Midnight" gehen. Er ist nicht nur um Längen besser, sondern definitiv richtig, richtig witzig, super emotional und schauspielerisch genial. Eine Lobeshymne an Ethan Hawke und Julie Delpy. (Psst! Das Bild oben zeigt die beste Szene des Films, ihr werdet es im Kino sehen!)

Pflicht: Vorher "Before Sunrise" und "Before Sunset" gucken

Wer "Before Sunrise" gesehen hat, wird nicht unbedingt auch "Before Sunset" geschaut haben. Denn Teil Eins ist zwar super romantisch, aber dennoch stark "anders" als es das entertainment-suchende Kinoauge gewohnt ist. Wenige Kameraeinstellungen, ein einziger bis zum Ende des Films andauernder Dialog, keine anderen Rollen außer denen der Hauptdarsteller Ethan Hawke und Julie Delpy. Als "Jesse" und "Celine" lernen sie sich die beiden Anfang Zwanzig-Jährigen auf einer Zugreise kennen. Spontan steigt sie mit ihm in Wien aus, um hier einen triefend romantischen Tag zu erleben. Ganz süß, nicht weltbewegend, aber irgendwie auf seine eigene Art fesselnd.

BFM_1400 (image/jpeg) Neun Jahre später brachte Richard Linklater die Fortsetzung in die Kinos – mit einem gealterten Ethan Hawke und einer immer noch sehr faszinierenden Julie Delpy. Genau wie sein Vorgänger ist "Before Sunset" eigentlich ein einzig andauernder Dialog. Jesse und Celine treffen sich in ihrer Heimatstadt Paris – Jesse ist mittlerweile Autor und hat ein Buch über ihren romantischen Tag aus Teil Eins geschrieben. Sie spazieren, fahren Auto und Schiff. Das Schönste am Film: Gänsehaut pur bei der Gesangseinlage von Julie Delpy. Aufreger des Films: Wer offene Enden nicht ausstehen kann, wird hier wahrlich gefoltert.

"Before Midnight" nach neun weiteren Jahren im Kino

Glücklich ist derjenige, der noch keinen Teil der Filmreihe gesehen hat. Denn momentan läuft mit "Before Midnight" wieder erst neun Jahre später die Fortsetzung im Kino. Um eins vorwegzunehmen: Ein Wahnsinns-Film und mit Bestimmtheit der beste Teil der Filmreihe! Warum? Zu allererst hat Richard Linklater seinen Stil etwas verändert: Die Zuschauer dürfen sich über mehr Kameraperspektiven freuen und es gibt gleich mehrere weitere Rollen neben Jesse und Celine (so viel sei verraten: Kinder und Freunde). Mit diesen ist das Ehepaar im Sommerurlaub in Griechenland – tolle Fernweh-Bilder aus den Peleponnes. Man weiß nicht, wie es Linklater geschafft hat, aber: Dieser Film hat eine wahrliche Sogwirkung. Die Themen der Gespräche wechseln fast minütlich, aber dennoch sind so weise und gehaltvoll, dass man sich gleich jeden Satz aufschreiben möchte. Gleichzeitig so emotional, dass es einem die Härchen aufstellt. Und vor allem: Unglaublich witzig. So witzig, dass man sich den Bauch halten muss und Tränen fließen. So witzig, weil so intelligent.

Ende der Lobeshymne.

Ein kleiner Zusatzhinweis: Als die Autorin dieses Artikels lachend und vollkommen berührt aus diesem Kinofilm ging, lauschte sie zwei anderen Zuschauern: "Das war wirklich der schlechteste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe. So viel Pech hatte ich noch nie im Kino." Das beweist, dass auch "Before Midnight" genau wie seine beiden Vorgänger echt Geschmackssache ist.