Frankenstein-Groteske

Antonio Banderas in "Die Haut, in der ich wohne"

Frankenstein-Groteske: Antonio Banderas in "Die Haut, in der ich wohne" Frankenstein-Groteske: Antonio Banderas in "Die Haut, in der ich wohne" Foto: Tobis
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Pedro Almodovar meldet sich mit einem Paukenschlag zurück: Im neuen Film des spanischen Regisseurs spielt Antonio Banderas einen modernen Doktor Frankenstein, der davon besessen ist, eine Frau, die er in seiner Schönheitsklinik gefangen hält, in die äußerlich perfekt proportionierte Frau zu verwandeln.

Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas) ist ein moderner Frankenstein. Ein wahnsinniger Wissenschaftler, verrückt vor Liebe und von Rache besessen. Seine Kreatur ist eine schöne Frau namens Vera (Elena Anaya), die er in seinem luxuriösen Haus gefangen hält, über diverse Bildschirme beobachtet, und die wie sämtliche Figuren in Pedro Almodóvars wahnwitziger Horror-Groteske mindestens zwei Gesichter und zwei Häute trägt.

Der plastische Chirurg hat Vera eine künstliche, feuerfeste Haut transplantiert und ihr das Gesicht seiner toten Frau gegeben, die vor zwölf Jahren bei einem Unfall starke Verbrennungen erlitt und sich ebenso wie Ledgards Tochter das Leben nahm. Als plötzlich ein mysteriöser Mann im Tigerkostüm vor der Haustür steht und Vera nachjagt, verraten ausgiebige Rückblenden in die Vergangenheit der Figuren die hässlichen Geheimnisse unter der blendenden Oberfläche.

Das Spiel mit verborgenen Abgründen und doppelten Identitäten ist typisch für das Werk des spanischen Regisseurs, aber selten fiel es so finster und kühl aus wie bei seiner ersten Operation im Horror-Genre nach zahlreichen Melodramen. Wer befürchtet hatte, Almodóvar würde seit seinem letzten, etwas verschlafenen Film "Zerrissene Umarmungen" (2009) im gemütlichen Autopilot verharren, dem verpasst der Spanier jetzt mit einer bizarren, wendungsreichen Geschichte über Verbrechen und Traumata, Obsessionen und Perversionen gleich mehrere Wachmacher.

Obsessionen und Perversionen

Im Gegensatz zu seinen früheren emotionsgeladenen Beziehungsdramen "Sprich mit ihr" (2002) und "Volver – Zurückkehren" (2006) fällt es diesmal schwer, sich in die Figuren einzufühlen, da sie von ihrem Schmerz abgeschnitten zu sein scheinen und sich diese Distanz auf den Zuschauer überträgt. Einen dieser "Vampire", wie sie in einer Szene bezeichnet werden, stellt Almodóvars ehemaliger Stammschauspieler Antonio Banderas dar, der zuletzt vor über zwanzig Jahren für "Fessle mich!" (1990) mit seinem Landsmann gearbeitet hat und nun, nach eher belanglosen Nebenrollen, wieder in einer komplexen Hauptrolle überzeugt.

In vielen Schichten entfaltet sich auch dieser kalte, aber raffiniert gestaltete Film, der mit lauter gesichtslosen Gemälden, Puppen und Menschen bevölkert ist. Das Tragische dieser Gesichtslosen ist, dass sie sich zwar häuten, aber dennoch nicht aus ihrer Haut fliehen können.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

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Quelle: RP
Titel: Die Haut, in der ich wohne
Genre: Drama
Veröffentlichung: 20.10.2011
Regie: Pedro Almodóvar
Darsteller: Elena Anaya
Antonio Banderas
Land: Spanien
Laufzeit: 121 min
FSK Freigabe: 16