Historienfilm "Die Lincoln-Verschwörung"

Robert Redford führt wieder Regie

Historienfilm "Die Lincoln-Verschwörung": Robert Redford führt wieder Regie Historienfilm "Die Lincoln-Verschwörung": Robert Redford führt wieder Regie Foto: Claudette Barius, SMPSP
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Im Bürgerkrieg wird Frederick Aiken (James McAvoy), Hauptmann der Nordstaaten, schwer verwundet. Er kehrt heim als Held, nimmt später in Washington mit seiner Verlobten Sarah (Alexis Bledel) an einer Siegesfeier teil und wird dann konfrontiert mit einer Aufgabe, die sein Leben gründlicher verändern könnte als der Krieg. Nach dem Attentat auf US-Präsident Lincoln wird eine Verschwörung aufgedeckt und Frederick, inzwischen Anwaltsnovize, erhält von seinem Mentor (Tom Wilkinson) den Auftrag, die Mitangeklagte Mary Surratt (Robin Wright) zu verteidigen.

Frederick sträubt sich, er hält die verwitwete Frau, in deren Pension sich die Attentäter trafen, auch für schuldig. Er müsse es aber tun, beharrt sein Mentor, das angesetzte Militärtribunal sei verfassungswidrig. Gleich in der ersten Sitzung erkennt Frederick, dass Beweise unterschlagen und Zeugen manipuliert werden, dass hier also kein fairer, sondern ein schneller Prozess angestrebt ist. "In Zeiten des Krieges schweigen die Gesetze", sagt der machiavellistische Kriegsminister Stanton (Kevin Kline).

Spätestens jetzt ist klar, dass der Regisseur Robert Redford in seinem spannenden Gerichtsdrama die alte US-Historie gegen die neuere ins Feld führt, dass anhand des Falles Mary Surratt auch die Einschränkung der Bürgerrechte nach dem 11. September 2001 verhandelt wird. Aber Redford ist so redlich, dass er die Geschichte von damals nicht einfach für das Heute instrumentalisiert, sondern ihr eigene Wichtigkeit zugesteht. Die Charaktere werden nicht zu Sprachrohren für bestimmte Positionen, sie entwickeln störrisches Eigenleben.

Diese Angeklagte etwa ist harsch, verbittert und wortkarg, sie macht aus ihrer Sympathie für den alten Süden keinen Hehl, sie lügt auch, um ihren flüchtigen Sohn zu decken. Aber ist sie auch eine Verschwörerin? In Frederick keimen Zweifel auf, er bewundert sie nun auch für ihren verzweifelten Versuch, in einer kargen Zelle ihre Würde zu bewahren. Aber je mehr er sich in ihren Fall verbeißt, desto mehr fällt er aus seiner eigenen Welt und verliert auch Sarah, in deren Sicht er mit dem Feind fraternisiert. Trotzdem macht er weiter und besteht auf dem Primat der Verfassung: "Im Frieden und im Krieg!"

In einem Epilog ist Frederick als Chefredakteur der "Washington Post" zu sehen, die viel später den Watergate-Skandal aufdeckte. Man darf dies wohl als Appell an die Medien verstehen, im Kampf um die Bürgerrechte nicht nachzulassen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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Quelle: RP