Hochklassig und atemberaubend

Clooneys Polit-Thriller "Tage des Verrats"

Hochklassig und atemberaubend: Clooneys Polit-Thriller "Tage des Verrats" Hochklassig und atemberaubend: Clooneys Polit-Thriller "Tage des Verrats" Foto: Saeed Adyani
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Der Polit-Thriller "The Ides Of March – Tage des Verrats" erzählt eine Geschichte aus dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. George Clooney spielt die Hauptrolle, er führte Regie und produzierte den Film. Star der hoch spannenden Produktion ist jedoch Ryan Gosling.

Die beste Szene dieses Film ist so intensiv, so eindringlich und desillusionierend, dass der Zuschauer eine Gänsehaut bekommt. Ryan Gosling steht im Auditorium einer Pressekonferenz.

Er macht dieses Gesicht, das nur er hinbekommt, es ist von einer stahlharten und eisblauen Ausdruckslosigkeit, die rasend macht. Gosling spielt den Politik-Berater Stephen Meyers, der an diesem Punkt des Films bereits aus seiner hoffnungsvollen Karriere gefallen ist. Nicht endgültig jedoch, er hat einen Trumpf im Ärmel, und den zieht er nun.

Auf der Bühne steht sein ehemaliger Boss, der Gouverneur Mike Morris (George Clooney). Morris muss der Presse den Selbstmord einer Praktikantin aus seinem Team erklären. Es ist eine unangenehme Sache, denn die junge Frau war die Tochter von Morris' Chef, des Vorsitzenden der Demokratischen Partei.

Morris kannte sie besser, als er zugeben darf, und ausgerechnet jetzt klingelt sein Handy. Morris schaut aufs Display: Der Name der toten Praktikantin leuchtet auf. Morris ist irritiert, er schaut auf, blickt in die Menschentraube vor ihm, er erkennt Stephen Meyers, und der hat ein Telefon am Ohr – es ist das der Toten.

Es geht um den Wahlkampf in Amerika

Die folgenden paar Sekunden dehnen sich zur Unendlichkeit, zwei Männer sehen einander an, es ist ein archaischer Akt von Drohung und Einschüchterung. Irgendwann klappt Meyers das Handy zu, nickt unmerklich – und verlässt den Saal. Morris presst die Lippen aufeinander. Er weiß: Von nun an geht es ums Ganze.

"The Ides Of March – Tage des Verrats" heißt dieser hochklassige und atemberaubend spannende Thriller. Regisseur, Co-Produzent, Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller ist George Clooney. Es geht um den Wahlkampf in Amerika, Mike Morris lautet der Name von Clooneys Hoffnungsträger. Der ist Gouverneur von Pennsylvania und aussichtsreicher Bewerber um die Präsidentschaftkandidatur der Demokraten. Sein Werbeplakat erinnert an das berühmte Obama-Motiv mit dem "Hope"-Schriftzug.

Zu sehen ist der Parcours aus Reden und Interviews, der charismatische Morris macht seine Sache gut. Er hat großartige Helfer um sich geschart, sein Kampagnen-Manager (Philip Seymour Hoffman) ist ein alter Hase, und der junge Idealist Stephen Meyers organisiert als Stratege mit schneidender Klugheit die Öffentlichkeitsarbeit. Meyers ist die interessanteste Figur des Films, sie entwickelt sich vom leidenschaftlichen Kämpfer zum Zyniker, zum modernen Mephisto.

Kettenreaktion verhängnisvoller Ereignisse

Regisseur Clooney ist verliebt in das Geraune des Politikbetriebs; in dieser vierten Regiearbeit zeigt der 50-Jährige wie schon in "Good Night And Good Luck" Männer bei geheimen Gesprächen in Hinterzimmern. Die Kamera fährt nah an die Schauspieler heran, an ihre Körper und Gesichter. Der Zuschauer ist mittendrin statt nur dabei.

Clooney arbeitet ungemein präzise, es geht ihm nicht darum, bloßzustellen oder Stellung zu beziehen. Sein Film hat etwas Dokumentarisches, wie man es aus "The War Room" kennt, dem großen Filmbericht über den Wahlkampf Bill Clintons 1993.

Alles läuft also wie am Schnürchen, doch dann macht Stephen Meyers einen Fehler. Aus Eitelkeit trifft er sich mit dem Wahlkampfleiter des gegnerischen Kandidaten und löst damit eine Kettenreaktion von verhängnisvollen Ereignissen aus.

Im Taumel aus fallenden Umfragewerten, beendeten Karrieren und moralischen Fragwürdigkeiten beginnt Meyers eine Affäre mit der Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood). Und er erfährt, dass Molly zuvor mit seinem Chef geschlafen hat und ein Kind von Gouverneur Morris erwartet.

Er organisiert eine Abtreibung. Als Molly aus der Klinik kommt, hört sie, dass Morris das große Talent Meyers entlassen hat. Sie weiß, dass der sich rächen wird, sie ahnt, dass ihre Abtreibung das Druckmittel werden könnte, und sie bringt sich um. Meyers kommt kurz nach dem Selbstmord in ihr Hotelzimmer. Bevor er geht, steckt er das Handy der Frau ein.

Einige der besten Schauspieler Hollywoods

Seine Eindringlichkeit und die trotz der kühlen Inszenierung mitunter melodramatischen Wendungen machen diese Geschichte, die auf das Theaterstück "Farragut North" von Beau Willimon zurückgeht, so sehenswert.

Hollywoods Multitalent: George Clooney wird 50 Hollywoods Multitalent George Clooney wird 50 Zum Artikel » Ein hochklassiges Ensemble hat sich versammelt, einige der besten Schauspieler Hollywoods ermöglichen einen Blick in die Abgründe der Zeitgeschichte. "The Ides Of March" lautet der Originaltitel der Produktion, und er bezieht sich auf die Ermordung des Julius Cäsar durch Brutus am 15. März im Jahr 44 v. Chr.

Dem hoffnungsvollen Beginn des Morris-Wahlkampfes folgen Verrat und Verschwörung. "The Ides Of March" gehört in die Reihe der großen Politdramen, "The Candidate" (1972) mit Robert Redford etwa, Alan J. Pakulas "Zeuge einer Verschwörung" ('74) und "Mit aller Macht" ('98) von Mike Nichols.

Man spürt bei Clooney, dass er daran glaubt, dass liberale Politik möglich ist. Gouverneur Morris jedoch zahlt am Ende denselben Preis wie seine Kino-Vorgänger. Es ist der höchste: die Freiheit. llll

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Quelle: RP