Hollywood-Star dreht "Monuments Men" in Berlin

Clooney verfilmt deutsche Kriegsgeschichte

Hollywood-Star dreht "Monuments Men" in Berlin: Clooney verfilmt deutsche Kriegsgeschichte Hollywood-Star dreht "Monuments Men" in Berlin: Clooney verfilmt deutsche Kriegsgeschichte Foto: Foto: dpa, pdz vfd
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Im Zweiten Weltkrieg gab es eine Sondereinheit zur Rettung europäischer Kunst. Die "Monuments Men" der Alliierten spürten von Hitler geraubte Kunstwerke auf. Hollywood-Star George Clooney verfilmt ihre Geschichte.

Hollywood-Star George Clooney wird noch bis Mitte Juli in Deutschland einen Film drehen. Der 51-Jährige wurde als Schauspieler berühmt, bei dieser Produktion indes übernimmt er nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch Regie – das Werk mit dem Titel "Monuments Men" ist seine Herzenssache.

Clooney beschäftigt sich mit deutscher Geschichte, es geht um den Zweiten Weltkrieg. Die Fotos, die Zeitungen von den Dreharbeiten in Halberstadt, Potsdam, Berlin und Goslar drucken, zeigen Clooney und seine Kollegen Matt Damon und Cate Blanchett in Uniformen.

Während die Aufnahmen laufen, erscheint das Buch auf Deutsch, für dessen Thema Clooney Feuer fing, als es vor vier Jahren in den USA veröffentlicht wurde. Es beschreibt ein bekanntes, aber wenig dokumentiertes Kapitel des Kriegs.

Zwischen 1943 und 1951 verpflichteten die Alliierten 350 Männer und Frauen, die beruflich mit Kunst zu tun hatten; Direktoren renommierter Museen etwa, Kuratoren, Architekten, Professoren. Die meisten meldeten sich freiwillig, weil sie den Krieg gewinnen wollten, ohne die letzten 500 Jahre Kunstgeschichte zu verlieren.

clooney the monuments man (image/jpeg) "Monuments Men" Set in Berlin.

Rettung der Kunst als Teil der Kriegsführung

Diese Fachleute bildeten die Sektion "Monuments, Fine Arts and Archives", und sie hatten zwei Aufgaben: zum einen, dafür zu sorgen, dass die Schäden an europäischen Kulturgütern wie Kirchen und Museen durch kriegerische Auseinandersetzungen möglichst gering gehalten wurden.

Zum anderen sollten sie Kunstwerke aufspüren, die vor Hitler versteckt oder von Hitler geraubt wurden oder verschollen waren. Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Invasionstruppen für Frankreich, hatte 1943 dieses Ziel proklamiert. Er definierte die Rettung der Kunst des Gegners als Teil der Kriegsführung.

US-Unternehmer Robert M. Edsel schrieb das Buch über die "Monuments Men", das dem Film als Vorlage dient. Der Texaner war Tennisprofi, wurde dann mit Öl reich, und seit den 90er Jahren betätigt er sich als Historiker. Sogar eine Stiftung widmete er jenen Menschen, die "die Welt retteten, wie wir sie kennen", den "Helden der Zivilisation".

Edsel arbeitete mit Hilfe des professionellen Co-Autors Bret Witter an der Monografie, dennoch spricht seine Euphorie aus jeder Zeile. Er begreift Geschichtsschreibung zu gleichen Teilen als unterhaltendes und informierendes Genre.

Also setzt er auf Grundlage von Briefen und Dokumenten Dialoge zusammen, die nicht verbürgt sind, aber so hätten geführt werden können. Seine Monografie liest sich wie ein Roman, oder besser: wie das Drehbuch eines Spielfilms zwischen "Casablanca" und "Indiana Jones".

Nofretete in Thüringen

clooney the monuments man (image/jpeg) George Clooney am Set von "Monuments Men. 

Tatsächlich erlebten die "Monuments Men" Ungeheures. Im Mittelpunkt steht Oberleutnant George Stout aus Iowa, der Anführer der Kunstbewahrer. Der elegante Mann mit dünnem Schnäuzer und breitem Grinsen fährt im VW Käfer durch Italien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland, und natürlich wird George Clooney im Kino diese Rolle übernehmen.

Stout entdeckt in einem unterirdischen Magazin bei Maastricht Rembrandts "Nachtwache". Sie war aus dem Rijksmuseum geholt worden, um sie vor Hitler zu schützen. Da lagerte das Gemälde aus dem Jahr 1642 nun, aufgerollt wie ein Teppich. Stout wird später im Bergwerk von Merkers in Thüringen die Nofretete finden und im thüringischen Bernterode den Sarg Friedrichs II. Er rettet Werke von Vermeer und Michelangelo, den Genter Altar und den Aachener Domschatz.

George Clooney in seiner besten Rolle: Meisterliches Drama "The Descendants" George Clooney in seiner besten Rolle Meisterliches Drama "The Descendants" Zum Artikel » Das Buch "Monuments Men" erzählt noch einmal die Geschichte von Hitlers "Führermuseum" in Linz. Die Faktenlage ist dünn, aber der Mythos stark: Angeblich wollte Hitler die Stadt nach seinen Vorstellungen neu errichten, sie zum kulturellen Zentrum Europas machen.

An der Uferzeile sollten Opernhäuser und Theater stehen, zudem ein Mausoleum mit Hitlers Grabstätte und im Mittelpunkt das Museum, das größere Schätze bergen würde als die Uffizien. Systematisch ließ Hitler besetzte Gebiete plündern.

Große Teile des Buchs handeln von den Widrigkeiten, die den "Monuments Men" die Arbeit erschwerten. Es gab keine Aufgabenbeschreibung, die Kommandostruktur war unklar. Und Soldaten nahmen die nachrückenden Gentlemen mit ihren Karten und Handbüchern zumeist nicht ernst.

Es gibt eine schöne Szene, in der Hauptmann Walter Hancock, der eigentlich Bildhauer war und im Film von Matt Damon gespielt werden soll, in der stark beschädigten Kathedrale von Chartres sitzt. Er fragt sich, ob es die Kunst wert ist, dafür sein Leben aufs Spiel zu setzen. Dann erkennt er, dass die wieder hergestellte Kathedrale dereinst ein Monument des Triumphes der Alliierten sein wird, ein Symbol für den Sieg der Ewigkeit.

Die Kunst wird vor Sprengung gerettet

Clooney und Meryl Streep räumen ab: "The Artist" Gewinner der Golden Globes Clooney und Meryl Streep räumen ab "The Artist" Gewinner der Golden Globes Zum Artikel » Die "Monuments Men" merken bald, dass sich die Nazi-Oberen reichlich selbst bedienen an der europäischen Kunst. Die lassen Werke beschlagnahmen in der Hoffnung, sie als Faustpfand einsetzen zu können, sich damit womöglich aus einer Gefangenschaft freikaufen zu können. Hermann Göring legt sich eine besonders umfangreiche Privatsammlung zu.

Das Finale des Einsatzes spielt im Mai 1945 in Altaussee im Salzkammergut. Im Bergwerk lagern Tausende von den Nazis geraubter Kunstwerke. Der Gauleiter von Oberdonau will sie vernichten und hat bereits acht Fliegerbomben in den Stollen schaffen lassen. Die Sprengung wird jedoch vereitelt, die Kunst gerettet – darunter Michelangelos Brügger Madonna, Vermeers "Maler in seinem Atelier" und van Eycks "Jungfrau Maria".

George Stout und seine Männer nehmen die Schätze in Empfang und werden sie katalogisieren. Ihr Kampf gilt dem Antlitz der Welt nach der Katastrophe, nun haben sie gesiegt. George Clooney dürfte an dieser Szene viel Freude haben.