kino.to hat Nachahmer

Ermittler hadern mit Internet-Videoportal

kino.to hat Nachahmer: Ermittler hadern mit Internet-Videoportal kino.to hat Nachahmer: Ermittler hadern mit Internet-Videoportal Foto: Screenshot
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Die illegale Webseite für Kinofilme und Serien kino.to ist vom Netz, doch der Fall ist für die Staatsanwaltschaft Dresden kein leichtes Unterfangen. Zwar sitzen bereits zehn von 21 Beschuldigten in U-Haft, aber die Fülle an sichergestellten Beweisen macht der Staatsanwaltschaft Probleme. Zudem gibt es bereits 16 vergleichbare Seiten.

Eine schier unendliche Zahl an Computern, modernste Ausrüstung und ein internes Mitarbeiternetz, das kaum zu durchschauen ist. So beschreibt die Staatsanwaltschaft Dresden die Beweise im Fall kino.to. Mit der Zerschlagung der illegalen Video-on-Demand-Webseite (Video auf Anforderung) vor einem Monat, ist zwar ein entscheidender Schritt im Kampf gegen die Filmpiraterie gelungen, jedoch bereitet die Professionalität der Webseite den Behörden noch Mühe.

Illegale Filmkopien: Kino.to soll hinter weiteren Filmportalen stecken Illegale Filmkopien Kino.to soll hinter weiteren Filmportalen stecken Zum Artikel » „Die Beweise sind erdrückend“, sagt Wolfgang Klein, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden. Von den 21 Beschuldigten, rund um den Hauptverdächtigen Dirk B., sitzen derzeit zehn in Untersuchungshaft. Zwei konnten vorerst auf freien Fuß gesetzt werden, weil sie „bedeutende Geständnisse“ gebracht hätten, so die Staatsanwaltschaft. Dem Hauptverdächtigen Dirk B. droht eine lange Haftstrafe – es ist die Rede von bis zu 15 Jahren.

Kein Einverständnis der Rechteinhaber

Die Anklagepunkte beinhalten Urheberrechtsverletzung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. kino.to tauchte erstmals im September 2007 im Internet auf. Im Mai 2008 wurden Ermittler auf die Webseite aufmerksam. Über kino.to konnte jeder Internet-Nutzer auf aktuelle Kinofilme und Serien zugreifen und sie direkt über die Webseite anschauen. Die Qualität der Videos reichte von schwach bis gut. Ein Einverständnis der Rechteinhaber bestand dabei nicht.

Am 8. Juni 2011 wurde die Seite vom Netz genommen. Ermittler der Polizei in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden führten zahlreiche Razzien in Wohnungen und Bürogebäuden durch. kino.to zählte bei weitem nicht zu irgendwelchen Untergrundseiten im Netz.

Laut der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) „erwirtschaftete“ die Webseite durch Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr 12,4 Millionen Euro. Allein 2,4 Millionen Euro wurden auf dem spanischen Konto des kino.to-Gründers Dirk B. sichergestellt.

Hoher Bekanntheitsgrad

Dirk B. führte und verwaltete die Seite von seiner Leipziger Dachgeschoss-Wohnung aus. Und auch der Bekanntheitsgrad der Seite ist verblüffend: so stand kino.to in der Beliebtheit vor dem sozialen Netzwerk studiVZ, tagesschau.de und Amazon. „Die Zerschlagung von kino.to hat die Szene spürbar verunsichert“, sagt GVU-Sprecherin Christine Ehlers. So ging beispielsweise die Webseite „drei.to“ (ein vergleichbares Portal zu kino.to) eigenständig vom Netz. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen, wie die Betreiber der Seite selbst angeben.

Trotzdem offenbarte sich kurzerhand die „Altnerative“. Die Webseite „video2k.tv“ sieht sich als direktes Pendant. Laut dem Statistikdienst Alexa ist video2k.tv bereits die meistbesuchte Streamingseite im Netz. „Wir haben die Staatsanwaltschaft schon über diesen Fall informiert“, sagt Ehlers. Die Staatsanwaltschaft ist allerdings mit der vollständigen Aufklärung von kino.to mehr als beschäftigt. So sollten nach etlichen Medienberichten, die Werbepartner von kino.to ebenfalls rechtlich verfolgt werden. „Im Moment unmöglich“, sagt Wolfgang Klein. „Wir haben die Werbepartner zunächst zurückgestellt“.

Gleiches gilt für die Konsumenten, also für die Nutzer vor dem PC. Derzeit sei eine Strafverfolgung nicht möglich. Dies soll erst nach dem endgültigen Prozess diskutiert werden, so die Staatsanwaltschaft. Ohne kino.to und drei.to, hat die GVU derzeit 16 vergleichbare Streamingseiten im Visier. Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher. Warum diese Seiten für die Behörden so schwer zu ermitteln sind, liegt vor allem an der Unüberschaubarkeit der „Filehoster“, also der Seiten, auf denen die Videos (zum Beispiel Kinofilme) gespeichert sind.

Tonga als Domain-Hoster

Polizei nimmt 13 Verdächtige fest: Film-Website "Kino.to" geschlossen Polizei nimmt 13 Verdächtige fest Film-Website "Kino.to" geschlossen Zum Artikel » kino.to war wie fast alle Streamingseiten lediglich ein Portal, das auf verschiedene Filehoster Zugriff hatte – eine Art illegales Google für Filme und Serien. Schwierigkeiten bereitete auch die Domain-Endung .to. To steht für Tonga. Das Problem für die Behörden: der Inselstaat Tonga hat seine Domain verkauft. Die seitdem zuständige Zulassungsstelle kooperiert weder mit den Rechteinhabern, noch mit der Justiz. Bis zum 2. Juni 2011 sind insgesamt 1130 Änderungen in der Domain-History von kino.to vorgenommen worden.

Das bedeutet: Änderungen von Server, Inhabername oder Kontaktadresse. Bis 2009 standen die Server in Russland, danach auf den Seychellen. Wie die Verfolgung der restlichen Streamingseiten aussehen soll, ist noch nicht genau geklärt. Laut einer Statistik des GVU waren im Jahr 2010 42 solcher Seiten aktiv. Im Jahr 2008 waren es noch 56. Ein Rückgang, das ist klar, aber Christiane Ehlers warnt vor allzu großer Vorfreude: „Die Seiten werden weniger, aber auch professioneller. Kleine Seiten bekommen ein immer größeres Angebot“. Ein Ende des Prozesses im Fall kino.to ist für die Staatsanwaltschaft Dresden noch in weiter Ferne. Fest steht aber: den Video-Streaming-Seiten wird der Kampf angesagt.

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Quelle: RP