Kinostart am 2. Mai

"Der Tag wird kommen": Verrückt, liebenswert und tiefsinnig

Kinostart am 2. Mai: "Der Tag wird kommen": Verrückt, liebenswert und tiefsinnig Kinostart am 2. Mai: "Der Tag wird kommen": Verrückt, liebenswert und tiefsinnig Foto: Alamode Film
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Anarchie in einer französischen Kleinstadt – so viel zum Thema des französischen Films "Der Tag wird kommen" von Gustave Kervern und Benoit Delépine. Aber dahinter steckt viel mehr, meint unsere Kollegin Dinara Pleuger. Sie hat sich den Film schon vorab angeschaut und ist sich sicher: Der Film ist einfach nur verrückt – aber liebenswert! Ab dem 2. Mai ist der Film in den Kleinkunstkinos zu erleben. Wir verlosen 2x2 Tickets und packen auch eins der lustigen Filmplakate mit ein!

Not & Dead

Worum geht es eigentlich in diesem verrückten Film? Inmitten einer Kleinstadt in Frankreich wimmelt es voller Einkaufszentren. Es gibt zahlreichen Konsum und Angebote, wohin das Auge reicht. Die Familie Bonzini betreibt ein Kartoffel-Restaurant und hat zwei erwachsene Söhne - den anarchistischen Punk "Not" und den spießigen Bettenverkäufer Jean-Pierre. Beide haben komplett unterschiedliche Weltansichten und leben total gegensätzlich. Eines Tages veliert Jean-Pierre aber seinen Job, seine Frau und auch seine Tochter. Einzige Hilfe erhält er von seinem Bruder und prompt wird aus Jean-Pierre der Punk "Dead". "Not & Dead" verbreiten Entsetzen und Anarchie in ihrer Nachbarschaft und verzichten auf jede gesellschaftliche Regel.

Eine schrecklich nette Familie

Mein erster Gedanke war: Was für ein verrückter Film! Aber die einzelnen Charaktere bieten mehr als nur durchgeknallte Seiten. "Not" hat seinen Namen auf der Stirn tätowiert und lebt zusammen mit seinem Hund "8/6", einem "Schäfer-Punk", auf der Straße. Er hält sich für den "ältesten Punk mit Hund" und will einfach nur frei leben. Durch seine aufopfernde Liebe zu seinem Hund, den er wie ein eigenes Kind behandelt, zeigt er jedoch seine liebenswerte Seite. Jean-Pierre hingegen hat zwar eine Familie, aber erst durch das Punk-Sein entwickelt er Verständnis für andere Menschen und für sich selbst.

Ihre Eltern sind nicht minder durchgeknallt. Die Mutter vor allem, toll gespielt von der 73-jährigen Sängerin Brigitte Fontaine, ist überhaupt nicht für ihre Mutterrolle geschaffen. Der Vater ist mit seiner ruhigen Art ein kleiner Gegensatz zu den anderen und... tja, der Vater ist eigentlich auch nicht der richtige Vater, was die Söhne aber auch erst sehr spät erfahren. Sie haben zwei verschiedene Väter, an die sich Mutter Bonzini allerdings nicht erinnern kann. Der Grund, warum sie 40 Jahre für die Wahrheit gebraucht hat:

"Wir wollten es euch zu eurer Volljährigkeit beichten, aber ihr seid ja irgendwie niemals richtig erwachsen geworden. Desewegen haben wir nicht den Mut dazu gehabt."

Bitterböse Gesellschaftskritik

Der Tag wird kommen Filmplakat (image/jpeg) Filmplakat von "Der Tag wird kommen". Irgendwie hat sie ja Recht. Beide Söhne scheinen lange gebraucht zu haben, um sich selbst zu finden. Die bitterbösen Kommentare zur Konsumgesellschaft, zur Lebens-und Arbeitswelt und zur sozialen Ungerechtigkeit sind zwar witzig, aber enthalten auch viel Wahrheit und Tiefsinn. Mein persönlicher Höhepunkt des Films ist der Kurzauftritt von Gérard Depardieu als Wahrsager, der die Zukunft aus dem Schnaps deuten kann. Ernsthaftigkeit ist in diesem Film nur in den Zwischentönen zu finden. Der Originaltitel "Le Grand Soir" zum Beispiel ist eine Andeutung auf geschichtliche Revolutionen und ist ein politisch-philosophischer Begriff. Eigentlich ganz ernst – aber bei so viel Ironie und durchgeknallten Figuren könnt ihr euch eher auf ein lustiges Kinoerlebnis freuen!