Koma-Drama "Valerie'"

One-Woman-Show für Franka Potente

Koma-Drama "Valerie'": One-Woman-Show für Franka Potente Koma-Drama "Valerie'": One-Woman-Show für Franka Potente Foto: dapd

Wenn eine selten auftretende Klasseschauspielerin wie Franka Potente einen Film fast allein bestreiten darf, ist dies ein Grund zur Vorfreude. In der One-Woman-Show "Valerie", der nächste Woche in unsere Kinos kommt, spielt sie eine junge Frau in Berlin, die für ihren im Koma liegenden Lebenspartner ein Videotagebuch aufnimmt.

Die Berufspendlerin Valerie will nach L.A. fliegen, um ihren dortigen Traumjob als Architektin zu kündigen und für immer nach Berlin zu ziehen. Derweil soll das Videoband am Krankenbett des Freundes laufen, um diesen wieder ins Leben zurückzurufen.

Das erinnert ein bisschen an den Film von Pedro Almodóvar "Sprich mit ihr". Doch der Text von Valeries Ansprachen an ihren komatösen Lebenspartner, der seit sechs Monaten im Krankenhaus liegt, stammt von Roger Willemsen, einem TV-Moderator und berühmten Feingeist. Er verfasste das Drehbuch nach seinem 2005 veröffentlichten Roman "Kleine Lichter".

Also spricht Valerie druckreife Sätze à la "Ich sehe dem Wort nach, wie es in die Dämmerung flattert". Sie spricht von vergangenen Lovern, von der Zeit des ersten Flirts, von prägnanten Situationen des Zusammenseins und über die Natur der Liebe à la Willemsen.

Prätentiöses Filmtagebuch für den komatösen Lover

Weil das Reden nicht abendfüllend ist, filmt sich Valerie bei häuslichen Tätigkeiten und wird dabei von der Kamera von Benedict Neuenfels ("Die Fälscher") beobachtet. Mal schwarz-weiß, mal in Farbe, mal aus dem geöffneten Kühlschrank heraus, mal von oben, mal von unten, mal betrunken, mal schläfrig - aus unterschiedlichsten Perspektiven versucht Regisseur Josef Rusnak Valeries tagelanges Herumdümpeln in dem schicken Dachgarten-Penthouse interessant zu machen.

So stöckelt sie im Hannelore-Elsner-Modus staubsaugend durch die mit moderner Kunst vollgestellte Wohnung, badet im Kerzenlicht, und dekoriert Schnittchen - was in der Vorstellung der Filmemacher Frauen halt so tun, wenn sie allein zu Haus sind. Und weil auch das nicht sonderlich prickelnd ist, geht die Labertasche auch mal aus. Sie sitzt im Modellkleid in Bars, kokst und hat Hardcore-Sex mit einem Unbekannten (davon erzählt sie im Videotagebuch nichts).

Dazwischen beschwert sich auf dem Anrufbeantworter laufend ihr amerikanischer Chef, weil Valerie mehrmals ihren Flug verschiebt. So lautet die Lehre, die sich aus diesem Film ziehen lässt, dass es ganz schön doof ist, in Berlin zu bleiben, statt in L.A. Architektin zu sein. Oder statt in Hollywood Filme zu drehen mit Leuten, die ihr Handwerk verstehen: denn auch die arme Franka Potente kann diesem prätentiösen Gebaren kein Leben einhauchen.

Der nur 87-minütige Film zieht sich gefühlte zwei Stunden. Das Kunstgeschöpf Valerie wird zum Sprachrohr für einen Literaten, der nicht in eine andere Person, sondern in die eigene klebrige Prosa verliebt ist. "Flieg doch endlich!", denkt sich der verzweifelte Zuschauer, wenn die gespreizten Monologe schier kein Ende nehmen wollen. Zu gerne würde man Valerie hinterher schauen, wie sie im Flieger in die Dämmerung flattert.

("Valerie", Drama, Deutschland 2009, 87 Minuten, FSK: 12, Verleih: farbfilm, Regie: Josef Rusnak, Darsteller: Franka Potente, Stephanie Stumph, Guido Föhrweißer u.a.)

Kinostart: 22. September 2011

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