Neuer Erotikthriller im Kino

Brian de Palma enttäuscht mit "Passion"

Neuer Erotikthriller im Kino: Brian de Palma enttäuscht mit "Passion" Neuer Erotikthriller im Kino: Brian de Palma enttäuscht mit "Passion" Foto: Ascot Elite
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Der Altmeister zitiert sich in seinem Erotikthriller genüsslich selbst. Damit kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Allerdings verliert sich das Alterswerk des mittlerweile 72-jährigen Regisseurs in glatten Oberflächen und Gesichtern.

Er setze viel lieber schöne Frauen in Szene als Männer, hat Brian de Palma einmal gesagt. Wenn der Regisseur je diesem Lustprinzip folgte, dann in seinem neuen Erotikthriller "Passion". Keine Frau ist wie die andere, dachte de Palma offenbar. Es gibt Blondinen, Brünette, sogar Rothaarige. Man könnte ein paar in ein zeitgemäß schickes PR-Büro stecken, so eins mit gläsernen Schreibtischen und riesigen Bildschirmen. Die kühle Blonde wäre die Chefin, die alle anderen in einen Sumpf aus Manipulation, Psychoterror und Sex zieht. Und weil gedemütigte Frauen ihre Rache perfide planen, gipfelt das Ganze in einem spektakulären Mord.

Eine Handlung, die nicht ganz neu klingt. In der Tat ist die deutsch-französische Koproduktion ein Remake des drei Jahre alten Noir-Thrillers "Love Crime" von Alain Corneau. Wo das Original mit kühler Ästhetik, linearer Handlung und den Darstellerinnen Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier glänzte, nimmt de Palma weitgreifende Änderungen vor. Er setzt auf nackten Voyeurismus, macht aus zwei Frauen drei und fügt in der Filmmitte ein halbes Dutzend Intrigen hinzu.

Zunächst sieht alles harmonisch aus. In Szene eins trifft sich die honigblonde Christine mit der dunkelhaarig-herben Isabelle vor dem Laptop zum Brainstorming. Eine Kuschelkonferenz, ab und zu schneit die tizianfarbene Assistentin Dani mit dem Tee-Tablett herein. Rachel McAdams, in Hollywood meist als Sympathieträgerin besetzt, spielt Christine als glamouröses blondes Gift in bunten Designerkostümen.

Eine Meisterin des Mobbing, die Isabelles grandiose Ideen klaut, ohne mit den dichten Wimpern zu zucken. Den Part der missbrauchten Isabelle übernimmt Schwedens Star Noomi Rapace, die düster-zerbrechliche Lisbeth Salander aus der "Millenium"-Fernsehtrilogie. Isabelle ist so sehr Christines Gegenteil, wie es das Klischee erlaubt. Nett, introvertiert, diszipliniert, was de Palma vorsorglich durch farblose Kleidung und brave Frisuren kenntlich macht.

Scheinbar aus purer Langeweile lockt Christine Isabelle in einen fintenreichen Karriere-Wettstreit, der aus der Büromaus im Handumdrehen ein wütendes Biest macht. Da die Frauen sich gleichzeitig unterschwellig begehren und Isabelle einen Blitzableiter braucht, verführt sie Christines Liebhaber (Paul Anderson). Damit eskaliert die Situation. Beobachterin des Dramas ist die von Karoline Herfurth verhältnismäßig nuanciert gespielte Dani, die später für eine der wenigen originellen Wendungen des Films sorgt.

Erneut ehrt de Palma Hitchcock

Wenn de Palma gegen Ende Traumsequenzen anhäuft und noch ein Justizdrama dranhängt, ist dem Zuschauer schon lange gleichgültig, wer wen warum um die Ecke gebracht hat oder wo Isabelles blutiger Seidenschal geblieben ist. Wie so oft in seinen Filmen ehrt de Palma "Vertigo" und weitere Hitchcock-Vorbilder. Vor allem aber zitiert hier ein altgedienter Regisseur genüsslich sich selbst. Mit kruden Schnitten und der reißerischen Musik von de Palmas Hauskomponisten Pino Donaggio gerät "Passion" oft gar zur unfreiwilligen Selbstparodie. Die Kulisse Berlin verschenkt de Palma, indem er fast alles in austauschbaren Büroräumen spielen lässt. So bleiben dem Virtuosen Jose Luis Alcaine, Stammkameramann von Pedro Almodóvar, nur Konferenztische und geschminkte Münder zum Ausleuchten.

Zuletzt musste de Palma zwei Flops verkraften: den Krimi "The Black Dahlia" und das Kriegsdrama "Redacted". Nach siebenjähriger Schaffenspause scheint es nun, als ob er mit "Passion" zu seinen Wurzeln zurückkehren wollte. Zum Psychothriller, den er vor 33 Jahren in "Dressed to Kill" noch so virtuos beherrschte. Aber das Alterswerk des 72-Jährigen verliert sich in glatten Oberflächen und Gesichtern. Es genügt nicht, Frauen in Reizwäsche zu stecken, ihnen Erotikspielzeug in die Hand zu drücken und sie aufeinanderzuhetzen. De Palmas Freude am weiblichen Geschlecht ist verständlich. Das Händchen für Suspense scheint ihm darüber abhandengekommen zu sein.

"Passion" startet am 02.Mai 2013 in den deutschen Kinos.

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Quelle: RP