Oscar -Nominierung für Gary Oldman

Neuer Agententhriller: "Dame, König, As, Spion"

Oscar -Nominierung für Gary Oldman: Neuer Agententhriller: "Dame, König, As, Spion" Oscar -Nominierung für Gary Oldman: Neuer Agententhriller: "Dame, König, As, Spion" Foto: Studiocanal
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Die Oscar-Nominierung, die Gary Oldman soeben als bester Hauptdarsteller erhalten hat, ist ebenso verdient wie überraschend. Denn der von ihm verkörperte Top-Agent George Smiley hat so gar nichts von einer Hauptfigur. Diesem passiven, blassen Mann soll man zwei Stunden lang zuschauen? Man tut es mit Gewinn, weil Oldman das alte Sprichwort bestätigt: In der Ruhe liegt die Kraft. Und warum soll ein Top-Agent nicht blass wirken? Vielleicht kann er nur so geheime Missionen erfüllen.

Die Mission ist einfach: Es geht darum, einen Verräter aus den eigenen Reihen aufzuspüren. Der langjährige Chef (John Hurt) eines britischen Geheimdienstes hat kurz vor seinem Tod die Namen von fünf Agenten genannt, die möglicherweise für den KGB tätig gewesen sind. Smiley sieht sie jetzt mit ganz anderen Augen: den schon auf den ersten Blick unangenehmen, intriganten Percy Alleline (Toby Jones); den charmanten, aber selbstgefälligen Bill Haydon (Colin Firth); den finsteren, dabei integer wirkenden Roy Bland (Ciarán Hinds); den trotteligen Toby Esterhase (David Dencik). Zu seinem Entsetzen findet Smiley auch seinen eigenen Namen auf der Liste der Verdächtigen.

Agentenfilm als Milieustudie

"Dame König As Spion" gehört zu jenen Spionagefilmen, die die Erkenntnis vermitteln, dass es keine Gerechtigkeit gibt, und dass die Geheimdienste die letzten sind, die etwas daran ändern. Es kann uns egal sein, wer von den fünf der Verräter ist.

"Dame König As Spion" ist, trotz einiger spannungsgeladener Momente, in erster Linie eine Milieustudie. Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson ("So finster die Nacht") rekonstruiert das Europa der 70er Jahre und lässt den Westen so aussehen, wie man sich den Ostblock vorgestellt hat: grau. Offiziell basiert der Film auf dem Roman von John le Carré und der 1979 ausgestrahlten TV-Serie mit Alec Guinness, aber ein weiteres Vorbild sind die Wallander-Krimis.

In dieser Welt der müden, alten Männer wirkt der junge Agent Ricki Tarr (Tom Hardy) wie ein Fremdkörper. Nicht einmal er hat eine hübsche Frau an seiner Seite. Das ist das Manko des Films: die Abwesenheit von Romantik. Frauen haben nicht viel zu sagen. Dass Smileys Gattin ihn mit Haydon betrogen hat, wird angedeutet; zu sehen ist es nicht. Alfredson bleibt auch hier auf Distanz. Und übertreibt es etwas mit der Kälte. Dass er seinen Agenten keine Freude gönnt, wirkt auf Dauer konstruiert.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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