Sadomasochismus für Kinogenießer

"Venus im Pelz": Brillianter Film von Roman Polanski

Sadomasochismus für Kinogenießer: "Venus im Pelz": Brillianter Film von Roman Polanski Sadomasochismus für Kinogenießer: "Venus im Pelz": Brillianter Film von Roman Polanski Foto: 2013 PROKINO Filmverleih GmbH
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In "Venus im Pelz" inszeniert der Regisseur Roman Polanski seine Ehefrau Emmanuelle Seigner als Liebesgöttin. Und mal wieder macht er das gewohnt grandios.

Genüsslich spielt Vanda ihre Macht aus, lässt Thomas zu ihrem hörigen, unterwürfigen Hündchen werden. Sie, die alternde, etwas ordinäre Schauspielerin, die verzweifelt um eine Rolle in einem heruntergekommenen Pariser Theater buhlt – er, der arrogante, genervte und gelangweilte Regisseur.

Meisterhaft inszeniert Roman Polanski das Theaterstück "Venus im Pelz" von David Ives, das auf einer Novelle von Leopold von Sacher-Masoch beruht, jenem Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der dem Masochismus seinen Namen gab.

Es ist das ewige Spiel von Macht und Unterwerfung, sexueller Dominanz, dem Kräftemessen der Geschlechter und dem Verschwimmen von Realität und Fiktion, das der 80 Jahre alte Regisseur mit seiner Frau Emmanuelle Seigner in der Titelrolle auf die Leinwand bringt. Ebenso erotisch aufgeladen, mitunter sehr komisch inszeniert er diese Geschichte als dichtes Kammerspiel, das trotz ständig klingelnder Handys in einer eigenen Welt spielt.

Schöne, verführerische Herrscherin

Langsam nähert sich die Kamera an einem tristen, regnerischen Tag einem heruntergekommenen Theater in Paris. Es ist die Perspektive von Vanda (Seigner). Äußerlich arg derangiert und von einer fast bemitleidenswerten und zugleich polternden Hartnäckigkeit überzeugt sie den Regisseur Thomas (Amalric), dass sie doch noch für sein Stück "Venus im Pelz" vorsprechen darf. Thomas reagiert genervt, das Casting ist nämlich längst zu Ende.

Von der ersten Minute an hat Vanda den Regisseur in der Hand, verblüfft ihn mit ihrer Textsicherheit, ihrem eindringlichen Spiel, ihrer peniblen Vorbereitung – selbst ein Kostüm hat sie mitgebracht. Sie wird zur Regisseurin des Castings, des Zwiegesprächs, demontiert den machohaften Thomas, wird zur Diva, zur Liebesgöttin, der sich niemand entziehen kann. Von der abgetakelten, erfolglosen Schauspielerin wird sie zur schönen, verführerischen Herrscherin.

Amalric spielt diesen Thomas, der für das Vorsprechen in die Rolle des Severin schlüpft. Der junge Mann lässt sich in dem Stück nach seinem Heiratsantrag an die Witwe Vanda auf eine Probezeit ein, in der er ihr als Liebessklave dienen soll. Mit lustvoller Selbstunterwerfung ergibt er sich der Dominanz. Wann das Spiel auf der Bühne aufhört, die Interaktion zwischen Vanda und Thomas beginnt, bleibt unklar.

Info

Mit Christoph Waltz & Kate Winslet: Der Gott des Gemetzels Mit Christoph Waltz & Kate Winslet Der Gott des Gemetzels Zum Artikel » Regisseur: Roman Polanski

  • Drehbuch: Roman Polanski, David Ives, Leopold von Sacher-Masoch
  • Stars: Emmanuelle Seigner, Mathieu Amalric
  • Kinostart: 21. November 2013
  • Wissenswertes: Eigentlich sollte gar nicht Mathieu Amalric die Rolle des Protagonisten übernehmen – Polanski hatte eigentlich mit Louis Garrel geplant.