Teil drei startet in den Kinos

Mit Wucht und Witz: "Iron Man" ist zurück

Teil drei startet in den Kinos: Mit Wucht und Witz: "Iron Man" ist zurück Teil drei startet in den Kinos: Mit Wucht und Witz: "Iron Man" ist zurück Foto: ap, PH
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Iron Man ohne Anzug - kaum vorstellbar. Doch in "Iron Man 3" muss der Superheld immer wieder auf seine schützende Panzerhülle verzichten. Doch er schlägt sich gut und macht klar: Technik ist nicht alles. Er nimmt es mit Humor.

Wahre Helden müssen auch Versager sein. Nur wenn ihre Überlegenheit brüchig ist, ihre Superkräfte auch mal schwinden, lässt ihr Schicksal wirklich bangen. Nichts ist langweiliger als Unverwundbarkeit.

Darum ist "Iron Man" ein idealer Superheld. Denn eigentlich ist er ja ein Mensch wie wir, nur schlauer. Seine Superkräfte verdankt er nicht überirdischer Herkunft, sondern der eigenen Erfindungsgabe. Er hat sich eine High-Tech-Rüstung ausgedacht, die ihn sicher umschließt, stark macht, fliegen, tauchen, durch die Hölle gehen lässt und in einen eisernen Krieger verwandelt.

Der Kern aber bleibt menschlich, fehlbar, liebenswert. "Iron Man" ist ein Selfmade-Held, dessen Hülle auch mal muckt. Darum bleibt er angewiesen auf seinen klugen Kopf, auf seine Freunde – und manchmal auf das Glück.

Wahre Helden stehen also immer auf der Kippe. Sie leben Aug' in Aug' mit dem Tod, nur macht sie das nicht larmoyant, sondern schlagfertig. Darum ist Robert Downey Jr. die ideale Besetzung für "Iron Man". Er hat Witz, ist lässig und leidenschaftlich, ein Eigenbrötler und doch Alphatier, wenn der Einsatz es erfordert.

Jungsträume

"Iron Man" ist Tüftler, aber kein Nerd. Er will an Weihnachten nicht neben seiner Lebensgefährtin Pepper in der futuristischen Klippenvilla auf dem Designersofa sitzen. Lieber schraubt er an seinen Rüstungen oder stöbert in virtuellen Akten, die er wie Hologramme durch den Raum fliegen lassen kann.

Jungsträume sind das, und Robert Downey Jr. hat sie auch geträumt, das weiß man, wenn man sieht, mit welch kindlicher Freude er Zukunft spielt. Dass Gwyneth Paltrow seine Gefährtin mit gewohnt kühler Ausstrahlungslosigkeit gibt, fällt da kaum ins Gewicht. Er will sie retten, als Kampfhubschrauber Kurs nehmen auf sein edles Anwesen, das allein zählt. Viel Beton stürzt ins Meer. "Iron Man" auch. Er wird es überleben, er ist doch kein Spielverderber.

Auch im dritten Teil der Marvel-Comicverfilmung ist Downey Jr. also das Kraft- und Humorzentrum eines Actionfilms, in dem einiger Zerstörungsbombast geliefert wird. Das geschieht mit Wucht, aber auch mit Witz, und genau diese Mischung macht die "Iron Man"-Geschichten so reizvoll.

Katastrophenfilme wie sie Roland Emmerich perfekt inszeniert, verlangen in ihrem ganzen Ernst und Pathos, dass der Zuschauer Patriot wird und dem Helden bedingungslos durch dessen Abenteuer folgt. Bei "Iron Man" ist die ironische Brechung schon Teil des Vergnügens.

Hollywood-Star dreht "Monuments Men" in Berlin: Clooney verfilmt deutsche Kriegsgeschichte Hollywood-Star dreht "Monuments Men" in Berlin Clooney verfilmt deutsche Kriegsgeschichte Zum Artikel » Man kann die Filme mögen, ohne ihren Intellekt an den Effekt verkaufen zu müssen. Denn "Iron Man" rettet erst im Sturzflug zwölf Menschen, die aus einem Flugzeug geschleudert wurden, er formt sie im freien Fall zur Gruppe, bremst sie mit seinem starken Arm, setzt sie sicher im Wasser ab wie Chesley Sullenberger, der Held von New York, damals seinen Airbus auf dem Hudson.

Doch dann schnellt "Iron Man" gleich zurück an den eigentlichen Kampfplatz, stolpert über einen lächerlichen Pfosten und die Rüstung zerschellt. Banales kann diesen Helden zu Fall bringen. "Iron Man" aber weiß sich auch dann noch zu helfen. Er bleibt der Unbesiegte – doch er weiß, dass das eine Verabredung ist.

Der Bösewicht eine Witzfigur

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Das Video ist von schlechter Qualität – fahlfarbig, verwackelt, ganz nach islamistischer Ästhetik. Und Kingsley hat den bösen Blick. Doch später wird die Geschichte eine Wende nehmen, die selbst dieser Bedrohung den Ernst entzieht. Selten hat man Kingsley so komisch erlebt, sein parodistisches Talent macht Freude. Und Hollywood erledigt den Erzfeind der USA auf denkbar effektivste Weise: Es macht ihn zur Witzfigur.

Natürlich gibt es dahinter auch noch einen ernstzunehmenden Feind: einen gierigen Unternehmer, der sich mit dem "Extremis"-Virus infiziert hat. Das härtet ihn ab, macht ihn zur Kampfmaschine, die innerlich glüht, jedes Mitleid inwändig längst verbrannt hat.

Guy Pearce spielt diesen schmierigen Killer Aldrich Killian, der vor Zorn und Rache brennt. Er ist ein Gedemütigter. Einer, den "Iron Man" einst mit ziemlich coolen Sprüchen zur Seite schob und längst vergessen hat.

So hat dieser Film ganz nebenbei auch noch eine These dazu parat, wie Terrorismus entsteht: durch die Demütigung der Schwachen, die ihren verletzten Stolz in fanatische Rache wenden. Zugegeben, eine simple These, aber doch auch mehr als der schlichte Kampf der Guten gegen das Böse.

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Sie erzählen eine schlanke, schlüssige Geschichte und hatten schlagfertige Dialogbuchschreiber an der Hand. So lässt man sein Hirn gern mal für 131 Minuten von dieser Geschichte umschließen wie "Iron Man" seinen verletzlichen Körper von der stählernen Kluft. Die macht aus einem schwachen Menschen einen Superhelden, obwohl sie nicht immer funktioniert. "Iron Man" weiß das – und zieht trotzdem in die Schlacht.

Quelle: RP